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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : das "alte europa" schlägt zurück


martin
08.02.2003, 17:40
der SPIEGEL berichtet heute vorab zur am montag erscheinenden print-ausgabe, dass die deutsche und französische regierung seit anfang des jahres an der ausarbeitung einer alternative zur zerbombung des iraks arbeiten.
in diesem bisherigen geheimprojekt unter dem namen *mirage* ist die stationierung von "tausenden" blauhelm-soldaten im irak vorgesehen, die es einer erheblich verstärkten anzahl von waffeninspektoren ermöglichen soll den irak effizient zu durchfilzen und das bisherige katz-und-maus spiel zu beenden.
nachzulesen unter spiegel-online (http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,234330,00.html)

auch wenn darüber bisher praktisch keine details bekannt sind, wie es genau aussieht werden die nächsten tage zeigen, wäre dies natürlich eine mögliche sinnvolle alternative zu einer totalen zerbombung.
bleibt abzuwarten, wie restliche welt auf diesen vorstoß reagieren wird. wobei ich denke, sollte der plan nicht völlig irsinnig sein, er auf breite zustimmung stoßen, und von einigen regierungen, die bisher in dieser frage auf USA kurs lagen, erheblichen druck aus der bevölkerung nehmen würde.

in richtung USA ist das ganze natürlich eine nette provokation, die dadurch nun ziemlich in die enge getrieben werden.
sollte es denen tatsächlich - wie sie stets beteuern - nur um eine (präventive) abrüstung des iraks gehen und sie eigentlich, wie herr rumsfeld heute nochmals betonte, dem krieg um jeden preis vermeiden möchten, wäre dieser vorstoß ja eine willkommene alternative.
sollten hier, wie einige behaupten, aber andere motive für einen angriff im vordergrund stehen, werden sie diesen vorstoß natürlich um jeden preis totreden und alles als völlig unsinnig darstellen müssen.

interessant finde ich das ganze aber auch aus sicht der UNO, die in den vergangenen monaten ziemlich ins lächerliche abgerutscht ist.
einerseits durch die US-regierung, die gleich klargestellt hat, dass sie sich nicht weiter um die zustimmung der UNO kümmert und in jedem fall in den irak einmaschieren will, andererseits durch die deutsche regierung, die sich ebensowenig für irgendwelche entscheidungen der UNO zu kümmern scheint.
das würde sich aber hier nun ändern, zumindest aus der sicht deutschlands. der einfluss auf den irak durch die USA würde erheblich geringer ausfallen, da sie keine direkte kontrolle, wie sie es bisher vorsehen, über den irak hätten, sondern es eine internationale angelegenheit werden würde - wohl unter europäischer kontrolle.

vielleicht ist das "alte" europa doch noch nicht ganz so verstaubt wie einige meinen. ;)

meinungen dazu?

Boothby
08.02.2003, 18:12
Es gibt da nur ein Problem. Die USA wollen den Krieg. Das einzige was sie bisher noch daran hindert ist eine halbwegs vernünftige Rechtfertigung. Leider spielen ihre Hauptverbündeten mit gezinkten Karten. Ist schon lustig, dass Powell im US Sicherheitsrat ein britisches Geheimpapier ausdrücklich würdigt und 2 Tage später wird es als Gag entlarvt. LOL. So ist kein Krieg zu beginnen, Mr. Blair.

Eigentlich könnten die Amies das doch wie 1939 machen. Ein gefakter Angriff hat doch schon mal als Kriegsgrund herhalten müssen ;)

Sollte es wirklich zu der deutsch französischen Initiative kommen, wäre es zu begrüßen, da sie die amerikanische Politik ad absurdum führen würde. Bliebe nur noch zu hoffen, dass der irakische Sturkopf dem zustimmt. Aber wie es scheint will Saddam den Krieg genauso wie die USA. Kämpfen um den Endsieg oder heiligen Krieg oder aus welchen Gründen auch immer. Das ist ja das Problem bei despotischen Machthabern. Man weiß nie, was sie als nächstes tun.

Sascha.
09.02.2003, 00:34
Die amerikanische Reaktion bei Spiegel.de (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,234387,00.html) ist da natürlich sehr interessant.

"Wir machen jetzt jedem Franzosen und Deutschen, den wir finden, klar, dass man auf diese Weise keine Punkte bei der amerikanischen Regierung macht."

Ich denke nicht, das das überhaupt das Ziel war! :confused:
Nur weil man uns als "alte Europäer" beschimpft heisst das nicht, das wir uns sofort wieder entschuldigen und auf Schmusekurs mit den USA gehen.

Scheinbar ist es für die US-Regierung unverständlich das wir (alten Europäer) in dieser Angelegenheit unsere eigenen Weg gehen wollen/müssen.

Boothby
09.02.2003, 10:29
Dieser Ausspruch zeugt schon von einer gehörigen Portion Arroganz. Seit wann müssen wir Deutschen denn bei den Amerikanern lieb Kind machen? Da sieht man mal, was 16 Jahre Kohl-Regierung alles versaut haben ;)

Aber anscheinend wollen die Amies nicht kapieren, dass ein JA zu einem Krieg in Afghanistan und ein NEIN zu einem Irak-Krieg zwei ganz verschiedene Paar Schuhe sind.

B.T.W. eine deutsche Regierung hat schon einmal alles kritiklos gemacht, was der große Bruder gesagt hatte. ;)

s.molinari
09.02.2003, 12:29
Ich denke dass das "alte Europa" nicht ganz verkehrt ist. Was die US Regierung vorhat, ist meiner Meinung nach, absolut nicht richtig. Ich denke Präsident Bush hat seinen Vater und ein paar amerikanische Öl-Multis (die bestimmt auch Kumpel sind;)) im Nacken hängen und der Druck muss ernorm sein. Das ist auch ganz naive gesehen, das weiß ich. Jedoch, eine andere Erklärung für diesen Blödsinn kann ich mit meinem "Fernwissen" über den Staaten nicht finden. Meine Mutter kann Herr Bush nicht leiden. Mein Vater schickt mir ständig "Ausreden" über diese Bush Politik. Er schickt Artikel über Terrorismus und wie schlimm die moslemische Welt ist. Ich denke, mein Vater will sich damit sein eigenes Gewissen klar reden. Das heißt für mich auch, dass er wirklich nicht dafür ist. Ich denke auch dass Bush diesen Hass der Amerikaner voll ausnutzt.

Es gibt immer noch einen Grundsatz der für alle Amerikaner bzw. alle Menschen gültig ist. Innocent till Proven guilty. Wir wissen schon was Sadam Hussain mit seinen eigenen Landsleuten gemacht hat. Wir wissen was er zu allem fähig ist. Dass Sadam Massenvernichtungswaffen hat ist umstritten und nicht 100% bewiesen und gegen einem Feind hat er sie nicht benutzt. Also für was wird er vollstreckt? Es gibt auch andere Diktatoren in der Welt die Menschenrechte verachten und die Fähigkeit haben Massenvernichtungswaffen zu benutzen. Warum fängt der USA nicht einen Krieg mit denen an? Nord Korea oder sogar China zum Beispiel.

Was ich am meisten befürchte ist, dass das amerikanische Militär, die Soldaten, stehen nicht 100% hinter dem was Präsident Bush will. Das macht mir wirklich sorgen weil in einem Krieg gibt es keinen Mittelweg. Das haben wir zu oft in der Vergangenheit gelernt. (Korea, Vietnam) Ich denke es heißt entweder alles oder nichts. Krieg ist sowieso das letzte Mittel.

So, wie viele Amerikaner, Englander oder irakische Bürger…Menschen… müssen ihre Leben opfern nur um Sadam Hussain von der Weltoberfläche zu entfernen? Zu viele, meiner Meinung nach. Ist ER wirklich es Wert? Ist ER wirklich das Ziel? Ich denke nicht. Da muss mehr dahinter stecken und was das ist, kann nicht einfach öffentlich gesagt werden. Dann würde nämlich Herr Bush sehr schlecht aussehen.

Scott

Xenon
09.02.2003, 15:57
Wenn man Saddam wirklich loswerden wollte, wäre er doch schon garnicht mehr da.
Aber er ist praktisch für die Amis um halt immer wieder mal draufzuhaun wenns der Wirtschaft schlecht geht.

Was mich ja an der Äußerung Rumsfeld's bzgl altes Europa aufregt, ist das er von Geschichte keine Ahnung hat.
Das was D und F nämlich derzeit veranstalten, das ist das NEUE EUROPA, rumsfeld wäre doch glücklich, wenn wir wirklich das alte europa wären, schliesslich gabs die ganzen Kriege in Europa alle zu der Zeit, als wir das alte Europa waren.