Feuerwehr
von am 17.05.2008 um 10:53 (1113 Hits)
Gedanken...
Tatsachen...
und...
Warum mache ich das eigentlich???
Gedanken eines Feuerwehrmannes: Etwas zum Nachdenken:
Ich wünschte, DU könntest den Kummer der Familie sehen, die nach Hause kommt und ihr Haus und ihre Habseligkeiten beschädigt oder sogar zerstört vorfindet.
Ich wünschte, DU könntest fühlen, wie es ist, ein brennendes Schlafzimmer nach eingeschlossenen Kindern abzusuchen, wenn die Flammen über Deinen Kopf hinweg schlagen.
Ich wünschte, DU könntest die Furcht in den Augen einer Ehefrau um 3 Uhr morgens sehen, wenn ich ihrem 40 Jahre alten Ehemann nach einem schweren Verkehrsunfall den Puls fühle und keinen finde. Ich beginne mit Herz-Lungen-Wiederbelebung, hoffe, wider besseren Wissens, ihn zurückzuholen, aber ich weiß, dass es zu spät ist. Aber seiner Frau und seiner Familie muss ich das Gefühl geben, dass alles Mögliche getan wurde.
Ich wünschte, DU könntest den unvergleichlichen Geruch von brennenden Isolierungen, den Geschmack von Ruß auf Deinen Schleimhäuten, das Gefühl der intensiven Hitze, die durch Deine Ausrüstung dringt, das Geräusch der lodernden Flammen und die Beklemmung, absolut nichts durch diesen dichten Rauch zu sehen, nachempfinden.
Sensationen, an die ich mich zu sehr gewöhnt habe, mit denen ich zu sehr vertraut geworden bin.
Ich wünschte, DU könntest verstehen, wie es ist, am Morgen zur Schule oder zur Arbeit zu gehen, nachdem Du den Großteil der Nacht, heiß und wieder nass durchgeschwitzt, bei einem Großfeuer verbracht hast.
Ich wünschte, DU könntest meine Gedanken lesen, wenn ich zu einem entstehenden Feuer gerufen werde: Ist es ein falscher Alarm oder ein fortgeschrittenes, atmendes Feuer? Wie ist das Gebäude konstruiert? Welche Gefahren erwarten mich? Sind Menschen eingeschlossen?
Ich wünschte, DU könntest im Notarztwagen dabei sein, wenn der Arzt das hübsche 5 Jahre alte Mädchen für tot erklärt, nachdem ich zuvor 25 Minuten lang versucht habe, es am Leben zu halten. Sie wird nie zu ihrem ersten Date gehen können oder jemals wieder die Worte "Ich liebe dich, Mama" sagen können.
Ich wünschte, DU könntest die Frustration im Führerhaus des Löschfahrzeuges fühlen: Der Maschinist drückt seinen Fuß fest auf die Bremse, mein Daumen drückt wieder und wieder den Schalter des Presslufthorns, wenn Du vergeblich versuchst, Dir Vorfahrt an einer vorfahrtberechtigten Kreuzung oder im dichten Verkehrsstau zu verschaffen.
Wenn Du uns brauchst, wann auch immer es ist, Deine ersten Worte nach unserem Eintreffen werden sein: "Es hat ja fast eine Ewigkeit gedauert bis ihr hier wart!"
Ich wünschte, DU könntest meine Gedanken lesen, wenn ich helfe, eine junge Frau aus den zertrümmerten Resten ihres Wagens zu ziehen: Was wäre, wenn es meine Schwester, meine Freundin oder eine Bekannte ist? Wie werden ihre Eltern reagieren, wenn vor ihrer Tür ein Polizist steht, der ihre Mütze in den Händen hält?
Ich wünschte, DU könntest wissen, wie es sich anfühlt nach Hause zu kommen, meine Eltern und Familie zu begrüßen, aber nicht das Herz zu haben, ihnen zu erzählen, dass ich beinahe von meinem letzten Einsatz nicht zurückgekommen wäre.
Ich wünschte, DU könntest die physische, emotionale und mentale Belastung von stehengelassenem Essen, verlorenem Schlaf und verpasster Freizeit vorstellen, zusammen mit all den Tragödien, die meine Augen gesehen haben.
Ich wünschte, Du könntest in das Gesicht des 18-jährigen Feuerwehrmannes blicken, der noch die Bilder des schrecklichen Verkehrsunfalles vor Augen hat. Wenn Du ihn am nächsten Tag fragst, wie es geht, kannst Du genau sehen, dass er den letzten Einsatz immer noch nicht verdaut hat.
Ich wünschte, DU könntest verstehen, wie es ist, einen kleinen Jungen auf Deinem Arm zu tragen. Er fragt: "Ist meine Mama O.K.?" und es ist Dir unmöglich, ihm in die Augen zu schauen, ohne dass Dir die Tränen in die Augen steigen und Du weißt nicht, was Du sagen sollst.
Oder wie es ist, einen alten Freund zurückzuhalten, der mit ansehen muss, wie sein bester Kumpel in den Rettungswagen getragen wird und Du weißt genau, dass er nicht angeschnallt war.
Ich wünschte, DU könntest die Kameradschaft und die Befriedigung, Leben gerettet oder jemandes Eigentum geschützt zu haben, erfahren.
Da zu sein, zur richtigen Zeit am richtigen Ort, um aus der Gefahr oder der Hektik und dem Chaos heraus Ordnung zu schaffen.
Ich wünschte, DU könntest fühlen, wie es ist, wenn wir zu einem Einsatz gerufen werden, wir vor einem brennenden Gebäude stehen und nicht genügend Personal zur Verfügung haben. Wie Du dann siehst, dass das Haus bis auf die Grundmauern abbrennt und die Eigentümer verzweifelt daneben stehen.
Solange DU dieses Leben nicht durchgemacht hast, wirst Du niemals wirklich verstehen oder einschätzen können...
...wer ich bin...
...was wir sind...
...oder was unsere Arbeit wirklich bedeutet...
Die "IDIOTEN" von der Feuerwehr und anderen Hilfsorganisationen!
Stellen Sie sich bitte einmal vor, dass Sie an einer Hauptverkehrsstraße wohnen. Nachts um drei Uhr fährt - mit Tatü Tata und Radau - die Feuerwehr, der Rettungsdienst, das Technische Hilfswerk oder eine der anderen Hilfsorganisationen mit ihren größtenteils freiwilligen und somit "unbezahlbaren" Helfern an Ihrem Haus vorbei. Sie werden sofort wach und denken eventuell...
... "Hoffentlich kommen die noch rechtzeitig?"
oder
..."Na ja, nach §35 StVO muss der Fahrer ja mit
Blaulicht und Martinshorn fahren"
oder (am wahrscheinlichsten)
..."Müssen die schon wieder so einen Krach machen?"
Aber haben Sie auch schon einmal daran gedacht, dass diese Mitbürger vor fünf Minuten noch genauso friedlich in ihrem Bett schlummerten wie Sie?
Dass auch diese Mitbürger um sechs Uhr früh wieder raus müssen, wie Sie?
Aber.....
dass sie, wenn sie nach zwei oder drei Stunden wieder ins Bett fallen sowieso nicht mehr schlafen können, weil man halt nicht so gut schläft, wenn man gerade einen Menschen aus einem brennenden Haus oder verunfallten Fahrzeug gerettet hat?
Aber wahrscheinlich werden Sie gar nicht wach, weil unsere Fahrer aus Rücksicht auf Sie trotz § 35 StVO das Martinshorn auslassen, oder weil Sie nicht an einer Hauptverkehrsstraße wohnen.
Dann haben Sie eben Glück und brauchen sich nicht über die Fahrer von der Feuerwehr, dem Rettungsdienst, dem THW oder von den anderen Hilfsorganisationen aufregen.
... außerdem denken die inzwischen schon selbst:
"Warum mache ich das eigentlich ???"
(Vielen Dank für das Zusenden dieser Gedanken)
....aber ich möchte noch etwas hinzufügen:
Ich wünschte, manchmal wäre Dein Blick nicht so vorwurfsvoll, wenn ich ohne viel Worte von Dir wegeile. Nein, die Feuerwehr ist mir nicht lieber als Du.
Würdest Du nicht auch froh sein, wenn schnell Leute kommen, die Dir helfen ?
Ich wünschte, nach manchen Einsätzen, wenn ich nach hause komme, würdest Du mich einfach in den Arm nehmen, weil ich es nicht beschreiben kann, was ich sah, anstatt mich mit Blicken zu strafen und mich mit meinen erlebten allein zu lassen.
Ich wurde auch nicht gefragt, ob ich das sehen will, aber ich hab halt geholfen und es gesehen.
Und was ich mir auch noch wünschen würde: Dass Mädchen/Frauen nicht dafür ausgelacht werden, wenn sie bei der Feuerwehr sind. Sie sollen von allen genauso akzeptiert werden, wie Jungs/Männer auch! Sie können genauso helfen wie das männliche Geschlecht! Können genauso Menschenleben retten! Wenn nicht bei bestimmten Sachen sogar besser! Ich hoffe, dass das irgendwann besser wird!'
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